Winterreise Ð Liszt, Mompou und Zimmermanns WŸstenwanderung
Musik der Stille, Musik der Erinnerung, fragmentarische Musik; Die Zeit au§er Kraft setzende, experimentelle, einfache und wesentliche Musik É
Die Werke dieses Programms umspannen einen Zeitraum
von 105 Jahren. Trotz dieser Zeitspanne und den damit einhergehenden
kulturellen und sozialen VerŠnderungen, tauchen im
Verlauf des Programms wiederholt gemeinsame Themen
auf, die die Werke zu einer Einheit verbinden. In seinen letzten Jahren
beschŠftigte sich Liszt Ð nachdem er sich von der oberflŠchlichen
Salon-Gesellschaft und dem †berdru§ des Prominentendaseins verabschiedet hatte
Ð vornehmlich mit musikalischen Elementen, die seinen frŸheren ostentativen
Darbietungen
kontrŠr entgegenstehen. Liszt Ÿberlebte die meisten
seiner Zeitgenossen und
riskierte zu einem lebenden Bildnis zu werden, indem
er die Vergangenheit heraufbeschwor. So erweiterte er in den letzten 15 Jahren
seines Lebens sein Repertoire und emanzipierte die
harmonische Musik von ihrer notwendigen Bestimmtheit:
Indem er seine Musik in Fragmente und Anspielungen verfeinerte, šffnete er die
BŸchse der Pandora der Musik, die sŠmtliche Komponisten und ihre Werke bis ins nŠchste
Jahrhundert beherrschen und faszinieren wird. Seine radikal neue musikalische
Sprache speiste sich aus seinem umfassenden und guten
GedŠchtnis. Er besuchte alte Freunde, Orte und
musikalische Welten, die er wŠhrend seines langen Lebens getroffen und
erschaffen hatte.
Zimmermanns WŸstenwanderung nimmt uns mit auf eine
Reise in eine metaphorische WŸste Ð in einen innerlichen, psychologischen
Zustand Ð trostlos und flŸchtig. Es beginnt einfach: harmonische Felder
verlagern sich sanft und hin und her wogend; dieses System staut mehr und mehr Lagen
an, die schlie§lich eine massive und schwerfŠllige Matrix bilden. Die metaphorische
WŸste beginnt das System zu kontrollieren und zu ŸberwŠltigen, dabei wird sie
bestŠndig von
sich selbst ŸberwŠltigt und bricht furios unter ihrem
eigenen Gewicht zusammen. Elemente vom Anfang des StŸcks kehren wieder: ob
diese RŸckkehr zur Einfachheit eine transformative Offenbarung oder die Fortsetzung
des zerstšrerischen Zyklus bedeutet, bleibt dem Hšrer Ÿberlassen.
Unbeschreiblich erfŸllende Klangwelten sorgen fŸr
einen Hšrgenuss bei Mompous Musik der Stille. Der Kritiker Emile Vuillermoz
fasst es so zusammen: ãSeine Formeln sind kurz, prŠ-
gnant und konzentriert, aber sie besitzen eine
seltsame, halluzinatorische Imaginationskraft É egal wie minuzišs man Mompous
Partitur analysiert, seine Geheimnisse kann man nicht
entdecken.Ò Die vier Teile (zwei davon werden im
Rahmen dieses Programms aufgefŸhrt) bewegen sich von schein- bar einfachen,
formal als klassisch erkennbaren StŸcken mehr und mehr in Richtung Abstraktion,
dabei an Bedeutung und Gewicht gewinnend.
Heather OÕDonnell
†bersetzung: Friederike JŠcksch